Qualität ist überall

Von Meinhard von Gerkan
Die WELT hat fünf renommierte deutsche Architekten gefragt, welches die drei besten Neubauten des Landes sind. Heute nennt der Hamburger Architekt Meinhard von Gerkan seine Favoriten. (Die Welt / 05.09.2001)

Welches sind die drei besten Gebäude, die zuletzt in Deutschland errichtet wurden?
Fragen nach dem "Schönsten" und "Besten" haben etwas penetrant Ultimatives, das mir sehr zuwider ist. Deswegen nenne ich drei Beispiele von sicherlich einigen Dutzend hervorragenden Beispielen deutscher Architektur der letzten Jahre, deren Auswahl nach Gesichtspunkten der Überzeugungskraft für die Leser erfolgte.

 

Platz 1: "Fünf Höfe" in München von Herzog / de Meuron.


Ein Beispiel gelungener Implantation minimalistischer Architektur in den Kontext einer gewachsenen Stadt. Die "Fünf Höfe" zeigen, dass der Kontrast von Alt und Neu einen spannungsvollen Dialog erzeugt und auf diese Weise eine neue architektonische und ästhetische Qualität hervorbringt. Besonders schön ist die Anmutung der feingliedrigen Struktur der beweglichen Fassadenelemente aus Bronze. Anpassungsarchitektur, die den Charakter alter Stile zu kopieren trachtet, ist der übliche Weg bei der Lösung solcher Aufgaben - jedoch der schlechtere.

 

Platz 2: "Kapelle der Versöhnung" an der Bernauer Straße in Berlin von Reitermann / Sassenroth.

 

Ein Beispiel einer sinnstiftenden Architektur mit den Mitteln der Einfachheit von Material und Gestalt. Bauten, die sich nicht "rechnen" müssen, also auf eine ökonomische Rendite nicht angewiesen sind, bilden heutzutage die große Ausnahme. Die Versöhnungskapelle auf dem ehemaligen Mauerstreifen ist ein solches. Ihr Nutzen liegt in der Vermittlung nicht materieller Werte. Umso wichtiger ist die architektonische Botschaft, die den "Sinn" des Anliegens "stiften" soll. Was ist überzeugender als die Schönheit des Einfachen?

 

Platz 3: "Museum der Phantasie" von Behnisch, Behnisch + Partner in Bernried.

 

Ein Beispiel einer Symbiose aus Heiterkeit, Lebendigkeit und landschaftlichem Dialog. Das Museumsgebäude strahlt außen wie innen Heiterkeit aus, bietet eine sehr lebendig inszenierte Raumgliederung und fügt sich der Landschaft und der Topografie harmonisch ein, ohne auf eigenen Witz zu verzichten, etwa in Form des Ausgucks am Wasser. Das Thema horizontaler Schichtung der Bauelemente und der Auskragungen verstärkt diese Symbiose.