LEHM erste Übersicht

Lehm ist ein Gemisch aus Ton, Schluff (Feinstsand) und Sand, das Beimengungen von größeren Gesteinspartikeln (Kies, Gestein) sowie von organischem Material enthalten kann, ein Verwitterungsprodukt aus der Gesteinsschicht unserer Erde. Die Verwitterung erfolgte überwiegend durch die mechanische Zerstörung des Gesteins durch Bewegung von Gletschern, Wasserläufen und Wind, durch Ausdehnen und Zusammenziehen des Materials infolge von Temperaturdifferenzen oder durch die sprengende Wirkung gefrierenden Wassers. Auch chemische Reaktionen, bedingt durch organische Säuren der Pflanzen, durch Wasser und Sauerstoff, können zur Verwitterung beitra-gen. Je nach Fundort zeigen Lehme unterschiedliche Zusammensetzungen und somit auch unterschiedliche Eigenschaften.
Man unterscheidet:


Berglehm oder Gehängelehmentsteht an Berghängen aus der Verwitterung des dort befindlichen Gesteins. Berglehme sind mit kleineren und größeren Gesteinsbrocken durchsetzt und bei ausreichendem Tongehalt besonders für den Stampflehmbau geeignet, da sie meist eine hohe Bindekraft, eine hohe Druckfestigkeit und, wenn sie nicht zu tonig sind, ein geringes Trockenschwindmaß aufweisen. Lehme, die aus den Ablagerungen der Eiszeiten im europäischen Flachland ent-standen, werden als Geschiebelehme bezeichnet. Sie sind meist kalkhaltig. Ist Kalk im Übermaß vorhanden, so spricht man von Mergel bzw. Tonmergel, der aufgrund seiner geringen Bindekraft für den Lehmbau wenig geeignet ist. Schwemmlehme sind Geschiebelehme, die von ihren ursprünglichen Lagerstätten durch Wasser umgelagert (abgeschwemmt) worden sind. Lößlehmein stark schluffhaltiger, feinkörniger Lehm mit geringem Tongehalt und geringer Bindekraft, entstand in den Sandstürmen der letzten Eiszeit, und hat eine gelbliche bis bräunliche Färbung und ist kalkfrei. Auelehm, auch Schlicklehm genannt, bildete sich in Flußtälern durch Ablagerungen aus dem Wasser. Er ist häufig mit organischen Stoffen gemischt. Lehmbauten sind seit mehr als 9000 Jahren bekannt. Lehm wurde in allen alten Kulturen als Baustoff, nicht nur für Wohnbauten verwendet. Auch die vor ca. 4000 Jahren errichtete Chinesische Mauer war fast ausschließlich aus Stampflehm gebaut und wurde erst in späteren Jahrhunderten mit gebrannten Ziegeln verblendet. Aus Schilderungen Plinius des Älteren ist uns überliefert, dass die Stampflehmbauweise seit dem Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. in Spanien bei Festungsbauten angewandt wurde. Stampflehmbau
Stampflehmbau im Französischen pisé de terre, im englischen rammed earth, in Lateinamerika barro apisonado genannt. Hierbei wird erdfeuchter Lehm in 10-15 cm dicken Schichten in eine Schalungsform, die sehr stabil sein muß geschüttet und durch stampfen verdichtet. Dabei wird im mechanisierten Stampflehmbau mit pneumatischen Stampfern gearbeitet., im englischen , in Lateinamerika genannt. Der wichtigste Impuls für den Stampflehmbau in Deutschland stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, als Berichte von Francois Cointeraux den im französischen schon weit verbreiteten Stampflehmbau "terre pise" auch bei uns bekannt machten. 1797 beschrieb dann David Gilly in seinem Werk "Handbuch der Lehmbaukunst" den Stampflehmbau als die vorteilhafteste Lehmbautechnik und trug damit wesentlich zur Verbreitung in unserer Gegend bei. Das älteste noch bewohnte Stampflehmhaus Deutschlands entstand 1795 in Meldorf, Schleswig Holstein. Das höchste Lehmhaus Mitteleuropas steht in Weilburg an der Lahn, 1825-28 gebaut, fünf Geschosse, ein massiver Stampflehmbau. In Weilburg stehen noch weitere 42 bewohnte Stampflehmhäuser, die alle zwischen 1796-1830 entstanden. Die gerade auch in Brandenburg im Lehmbau vielfach angewandte Mischbauweise stand im Widerspruch zu Empfehlungen der Lehmbauer, "Mischbauweisen auf alle Fälle zu vermeiden" und führte oft zu Schäden an den Bauten und damit am Ruf des Materials und der Arbeitstechnik.Jedes Lehmhaus das ausgeführt wird ist ein Nachteil für die Ziegelindustrie.„ Mit derartigen Argumenten verhinderte im 19. Jh. die Bauindustrie die Anwendung von Lehm. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung hatte der Lehmbau keine Chance, dem mit der Industrialisierung rasch wachsenden Bedarf an Räumen aller Art und nicht zuletzt an Wohnräumen in den explodierenden Großstädten gerecht zu werden. Die technische Voraussetzung für die Massenfertigung von Gebäuden war mit der fabrikmäßigen Produktion von Ziegeln gegeben (Ringbrennöfen). In Berlin entwickelte sich in der Folge der Backsteinbau mit Putzfassade und als Berlin 1877 zur Millionenstadt wurde, war Lehmbau völlig vergessen. Er lebte nur in der Erinnerung als traditionelle Technik fort. Erst nach dem 1. und 2. Weltkrieg, also in Zeiten großer Not, griff man wieder auf Lehm als Baustoff und die Lehmbauweisen zurück. Zwischen 1919 und 1922 entstanden mehrere Tausend Lehmhäuser und sogar ganze Siedlungen mit diesem Baumaterial (Badenermoor bei Achim, Lübeck-Schlutup u. a.).

Nach dem 2. Weltkrieg kam es aus ähnlichen Gründen zu einer neuen, kurzen Renaissance des Lehmbaus, die aber schon Mitte der 50er wieder endete. Es gab damals 17 anerkannte Lehmprüfstellen in beiden Teilen Deutschlands. Die seit 1944 in Kraft befindliche Lehmbauordnung wurde 1971 ohne Ersatz zurückgezogen. Durch die Anstöße der weltweiten ökologischen Diskussion in den letzen 20 Jahren ist auch der Lehmbau wieder gesellschaftsfähig geworden und erlebt heute im Rahmen der Diskussion um die Agenda 21 und der Forderung nach nachhaltiger Bauweise eine neue Blüte.

Merksätze zum Lehmbau

Lehm ist kein genormter Baustoff
Lehm ist eine Mischung und die weist je nach Fundort unterschiedliche Eigenschaften auf und muß des-halb je nach Verarbeitungstechnik unterschiedlich zusammengesetzt sein. Es ist also notwendig, seine Zusammensetzung zu kennen, um deren Eigenschaften beurteilen und gegebenenfalls durch Zusätze verändern zu können.

 

Lehm schwindet beim austrocknen
Durch die Verdunstung des Anmachwassers, das notwendig ist um Lehm verarbeiten zu können und seine Bindekraft zu aktivieren, reduziert sich sein Volumen. Es entstehen "Trocken-" bzw. "Schwindrisse". Das Schwinden kann jedoch durch Reduzierung des Wasser- sowie des Tonanteils und durch Optimierung der Kornzusammensetzung wesentlich verringert werden.

 

Lehm ist nicht wasserfest
Lehm muss deshalb insbesondere im feuchten Zustand vor Regen und vor Frost geschützt werden. Ein dauerhafter Schutz von Lehmwänden vor Nässeeinwirkung kann durch konstruktive Maßnahmen (Dachüberstand, Spritzwassersoc-kel, horizontale Isolierung gegen "aufsteigende Nässe") erreicht werden.

Diesen drei Nachteilen stehen erhebliche Vorteile gegenüber:

Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit
Lehm kann relativ schnell Luftfeuchtigkeit aufnehmen und dies bei Bedarf wieder abgeben. Da-durch reguliert er die Feuchtigkeit der Raumluft und trägt zu einem gesunden Raumklima bei. Er verhindert ein Austrocknen der Schleimhäute, reduziert die Feinstaubbildung und wirkt somit vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten.

 

Lehm speichert Wärme
Lehm speichert, ähnlich wie andere schwere Baustoffe, Wärme und kann somit zur Verbesserung des Wohnklimas und bei passiver Sonnenenergienutzung zur Energieeinsparung beitragen.

 

Lehm spart Energie und verringert die Umweltverschmutzung
Lehm benötigt bei der Aufbereitung und Verarbeitung im Gegensatz zu anderen Baustoffen sehr wenig Energie und trägt somit kaum zur Umweltverschmutzung bei. Er braucht nur etwa 1 % der Energie, die für die Herstellung von Mauerziegeln oder Stahlbeton notwendig ist.

 

Lehm ist stets wiederverwendbar
Der ungebrannte Lehm ist jederzeit und unbegrenzt wiederverwendbar. Trockener Lehm braucht nur zerkleinert und mit Wasser angefeuchtet zu werden und schon lässt er sich wieder verarbeiten. Lehm kann im Gegensatz zu anderen Baustoffen niemals als Bauschutt die Umwelt belasten.

 

Lehm spart Baumaterial und Transportkosten
Auf den meisten Baustellen in Mitteleuropa fällt Lehm an. Enthält er nicht zuviel Ton und keine zu großen Gesteinspartikel, so kann er im erdfeuchten Zustand mit den meisten Lehmbautechniken direkt eingesetzt werden.

 

Lehm konserviert Holz
Bedingt durch die geringe Gleichgewichtsfeuchte von Lehm von 0,4 bis 6 Gewichtsprozenten (je noch Tongehalt, Tonart und Feuchtegehalt der Luft) werden Holz und andere organische Stoffe, die von Lehm umgeben sind, entfeuchtet bzw. trockengehalten, so daß diese nicht von Pilzen oder Insekten befallen werden.

 

Lehm bindet Schadstoffe
Die Fähigkeit der Tonminerale, Fremdstoffe bzw. Schadstoffe zu binden, wird mittlerweile auch von der Industrie genutzt.