Ausstellungseröffnung und Gottesdienst am World Refugee Day

15.06.2020

„Flüchtlingsgespräche“ - Portraits. Texte. Lebenswege


Ausstellung im Wandelgang der Kapelle der Versöhnung

Bernauer Straße 4

10115 Berlin

 

vom 20. Juni bis 29. August 2020

 

Ausstellungseröffnung am „World Refugee Day“
Samstag, 20 Juni 2020, 16.00 Uhr
im Gemeinschaftsgarten „NiemandsLand“
direkt hinter der Kapelle der Versöhnung
 

Gespräch mit der Ausstellungsmacherin Solveig Witt und Engagierten in der Arbeit mit Geflüchteten bei Asyl in der Kirche e.V., im Jesuit Refugee Service, beim Caritasverband und in der Gemeinschaft Sant´ Egidio. Moderation: Esther Schabow (Beauftragte für Kultur und Öffentlichkeit der Ev. Kirchengemeinde Versöhnung)

 

„Sterben auf dem Weg der Hoffnung“
Ökumenische Andacht für die Verstorbenen auf der Flucht anlässlich des „World Refugee Day“
Samstag, 20 Juni 2020, 18.00 Uhr
in und an der Kapelle der Versöhnung
Bernauer Straße 4
10115 Berlin
 

Sterben auf dem Weg...

 

Rückfragen und Informationen zu den Öffnungszeiten unter:
Esther Schabow (Beauftragte für Kultur und Öffentlichkeit der Ev. Kirchengemeinde Versöhnung)
Tel: 030 / 463 60 34 (AB)
eMail:
www.versoehnungskapelle.de

 

Text zur Ausstellung von Solveig Witt (Texte und Interviews) und Christian Lehsten (Fotografien)
 

„Wir wohnen auf dem Lande in Mecklenburg-Vorpommern. Solveig Witt in Dabel, Christian Lehsten in Rothen. In unseren Dörfern sind sehr viele Bewohner Flüchtlinge oder Nachkommen von Flüchtlingen. 1945 hatte Rothen 108 Einwohner, 1946 waren es über 180. Die Anzahl der Bewohner hatte sich durch die Flüchtlinge fast verdoppelt. In den vielen Gesprächen, die wir mit unseren Nachbarn geführt haben, spielte die Flucht immer wieder eine große Rolle. Die Furcht vor den Bomben und dem Beschuss der Heimatorte, der Hunger, die Vertreibung aus den Häusern, die Angst der Frauen vor Vergewaltigungen bewog die Menschen, die Heimat zu verlassen. Niemand hat freiwillig die Heimat verlassen. Viele erzählten uns, wie schwer es für sie war, hier als Fremde anzukommen. Neben der materiellen Not war auch die gesellschaftliche Ausgrenzung und Diffamierung für viele eine bedrückende und demütigende Erfahrung. Die Flüchtlinge galten als die „Zigeuner“ oder die aus der „Batschka“, die angeblich immer das Messer schnell zur Hand hatten.

Ist die Lage der Flüchtlinge heute nicht in Vielem sehr ähnlich?

Wir beschlossen, Gespräche mit Flüchtlingen zu führen und deren Geschichten aufzuschreiben. So kamen wir zu den Erzählungen alter Menschen, die die Flucht 1945 überstanden hatten und in den Orten Rothen, Borkow, Sternberg oder Bolz eine neue Heimat gefunden hatten. Und wir unterhielten
uns mit Flüchtlingen in der Asylbewerberunterkunft in Dabel, die uns schreckliche Erlebnisse ihrer teilweise jahrelangen Flucht berichteten.
Wir haben diese Geschichten aufgeschrieben und von jedem ein Foto gemacht. Wir haben die Geschichten aus den ganz verschiedenen Zeiten sehr bewusst nebeneinander gestellt. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Fluchtgeschichten vergleichbar sind, auch wenn die konkreten Ursachen unterschiedlich sein mögen. Für die Betroffenen ist Flucht, d.h. Verlust der Heimat, des Besitzes, der Arbeit, usw. eine große Beschwernis. Die Erfahrung, als Fremder nicht willkommen zu sein, als Mensch zweiter Klasse abgelehnt zu werden, ist entwürdigend. Wir haben die 8 Geschichten und die 8 Portraits zu einer Ausstellung zusammengestellt, die zuerst an „KUNST OFFEN 2016“ im Verein Rothener Hof und seitdem als ein Projekt des Vereins in über 30 Städten gezeigt wurde.“

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Ausstellungseröffnung und Gottesdienst am World Refugee Day